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Antifa Mobi-Tour im Landkreis Harburg

In den letzten Wochen fand im Raum Harburg-Land eine Mobi-Tour statt.
Das Ziel unser Tour war die Mobilisierung zu Aktivitäten gegen den Naziaufmarsch am 2.6. in Hamburg- Wandsbek. Wir wollten den Nazis schon im Vorfeld den Tag versauen und Menschen erreichen, die sonst nicht mit Linken und linksradikalen Aufrufen in Kontakt kommen.

Der erste Infostand fand am 19.04 in Neu Wulmstorf statt. Wie in jedem der Orte, die wir besuchten, machten wir mit Flyern und Plakaten auf den Naziaufmarsch in Hamburg und die Proteste dagegen aufmerksam. In Neu Wulmstorf war das Stadtbild schon seit längerer Zeit durch Nazi-Aufkleber, Plakate und Graffitis geprägt. Die Neonazis aus Neu Wulmstorf sind überregional organisiert und beteiligten sich in der Vergangenheit immer wieder an Naziaufmärschen und Aktionen, so z.B. auch an einer „Spontandemonstration“ der sogenannten „Unsterblichen“ im Dezember 2011 in Harburg.

Der nächste Ort auf unserer Tour durch Harburg-Land war am 26.04., Buchholz in der Nordheide. Hier existieren ebenfalls überregional organisierte Neonazistrukturen mit guten Kontakten zu z.B. der „Weisse Wölfe Terrorcrew“ und zu den „Freien Kräfte Celle“. Am Prozessauftakt gegen den norwegischen Neonazi Anders Breivik, klebten die örtlichen Neonazis Plakate in der Stadt, die sich gegen die vermeintliche „Islamisierung Europas“ richteten und damit eine Legitimation für Breiviks Anschläge liefern sollten. In Buchholz kommt es zu dem immer wieder zu gewalttätigen Übergriffen von Neonazis auf Andersdenkende.

Am folgenden Samstag machten wir Station in Hollenstedt. Auch hier gab es in der Vergangenheit immer wieder gewalttätige Übergriffe auf politisch Andersdenkende (link zum artikel über den Hausüberfall) und eine Vielzahl von faschistischer Propaganda in Form von Stickern und Plakaten. Durch die räumliche Nähe zu Tostedt bestehen, zu der Tostedter Naziszene eine sehr enge Verbindung. Viele Neonazis aus der Kameradschaft „Gladiator Germania“ wohnen oder kommen aus der Region Hollenstedt.

Am 27.04 ereignete sich vor dem Winsener JUZ ein Übergriff von Neonazis aus Harburg und ihren rechten Umfeld auf Alternative Jugendliche und bekannte Antifaschist_Innen. Dabei wurden mehrere Jugendliche und ein Antifaschist verletzt. Darauf wiesen wir am 12.05. in der Winsener Innenstadt mit Flyern hin und mobilisierten auch hier für den 02.06.

Der nächste Infostand fand am 19.05 in Tostedt statt. Die Kleinstadt ist immer wieder durch brutale Naziübergriffe in die Schlagzeilen geraten. Tostedt bietet durch den Naziladen „Streetwear Tostedt“ mit seinem Betreiber, dem verurteilten Totschläger, Stefan Silar einen Anlaufspunkt für die regionale und überregionale Naziszene. Gerade deswegen wird dieser Ort immer wieder Angriffspunkt linksradikaler Politik sein.

Der letzte Ort unserer Tour war dann am 26.05 Hamburg-Harburg, auf dem Seeveplatz, am Rand des Harburger Bahnhofs. In diesem Stadtteil, im Hamburger Süden, sind diverse Nazis unter anderem in der „Weissen Wölfe Terrorcrew“ organisiert, hier fand im Dezember 2011 eine Spontandemo der sogenannten „Unsterblichen“ statt. Im Umfeld des Harburger Bahnhofs finden sich immer wieder Aufkleber und Plakate neonazistischer Strukturen.

Insgesamt lässt sich eine positive Bilanz ziehen. In allen von uns besuchten Orten standen uns die Passant_Innen verhältnismäßig offen gegenüber. So wurden mehrere tausend Flyer unter die Menschen gebracht und es entstanden nette und interessante Diskussionen und Gespräche.
Auf unserer Tour von Neu Wulmstorf bis nach Harburg hatten wir wider erwarten kaum Stress mit den Cops und von den Nazis kam selbst in Tostedt nicht mehr als ein müder Mittelfinger am späten Samstagvormittag.
Die ganze Mobi-Tour wurde von der Antifa-Koordination Harburg-Land, der Autonomen Antifa ST und der Partei „die Linke“ Harburg-Land organisiert.

Für den 2.6. können wir den Nazis nur raten wieder aus zu schlafen und nicht nach Hamburg zu fahren.
Die Antifa steht immer früher auf!

Hamburg-Wandsbek, 02.06. – Naziaufmarsch blockieren, angreifen, verhindern!

>> notddz2012.blogsport.eu

Bands

Am kommenden Samstag werden folgende Bands auf der Kundgebung spielen. Hier die Links zu den Internetauftritten der Acts, um schonmal reinzuhören.

>> Goodbye Jersey
>> No Life Lost
>> E123
>> maison derrière

Mobi-Video zur Kundgebung mit LKW Konzert!

16.7.2011 – „Am 10. September 2011 findet im niedersächsischen Dorf Tostedt eine antifaschistische Kundgebung mit LKW-Konzert statt. Unter dem Motto „Love Music, Hate Fascism – Für eine antifaschistische Jugendkultur!“ hat die Kampagne Landfriedensbruch diese erneute Antifa-Aktion in Tostedt organisiert. Mehrere Bands wollen gemeinsam mit Antifas den Ort rocken und örtliche Antifa-Strukturen stärken. Am Sande – Tostedt, Beginn um 14 Uhr.“

>> Link zum Mobi-Video auf YouTube

Zusätzlich haben die Bands E123 aus der Region um Tostedt und maison derrière zugesagt! Leider hat Tackleberry abgesagt.

Treffpunkt für eine gemeinsame Abfahrt zur Kundgebung mit LKW Konzert aus Hamburg.
Samstag 10.09.2011
12.50 DB Reisezentrum
Abfahrt ab Hamburg Hbf 13.15

>> Aufruf
>> aktueller Hintergrund Artikel

Naziterror und Brandanschlag

Inzwischen ist Tostedt überregional für seine aktive Naziszene und den Neonaziladen bekannt. Doch in letzter Zeit wirkte es so, als ob es um die Szene vor Ort ruhig geworden wäre. Tatsächlich sind die Übergriffe, Einschüchterungsversuche und sonstige Aktivitäten seitens der Nazis deutlich zurück gegangen. Zurückzuführen ist diese Entwicklung in erster Linie auf die Aktivitäten des Antifa-Bündnis »Landfriedensbruch«, dem öffentlichen Druck durch die Presse und den zahlreichen Vorstrafen und Gerichtsprozesse gegen die Kader der Szene. Seit ein paar Wochen jedoch melden die örtlichen Antifaschist_Innen wieder vermehrte Aktionen der Neonazis. Jetzt wurde auch eine Auto eines Antifas angezündet.

In der Nacht vom 2. auf den 3. September wurde das Auto eines bekannten Antifaschisten angezündet. Die Neonazis probierten auf dem Hof einer linken Wohngemeinschaft zunächst die Frontscheibe mit einem Stein einzuwerfen. Als dies nicht gelang, warfen sie die Seitenscheibe ein und entzündeten den Sitz. Bereits in den Abendstunden des 2. September kam es zu einer Auseinandersetzung auf dem Dorfplatz am Sande. Eine Gruppe von ca. 10-15 Neonazis versuchte eine Gruppe von vier Antifaschist_innen und alternativen Jugendlichen anzugreifen. Die vier konnten den Angriff abwehren und die Nazis in die Flucht jagen.
Im Verlauf der letzten Woche gab mehrere Mobilisierungsaktionen für die nächste antifaschistische Kundgebung am 10. September in Tostedt. In der Innenstadt sind massiv Plakate dafür aufgetaucht und es wurden regelmäßig Flyer verteilt.
Das abgefackelte Auto ist als Racheakt auf die Aktivitäten der örtlichen Antifaszene zu verstehen. Schon vor ein paar Wochen wurde das Auto von Nazis großflächig zerkratzt. Bei einem anderen wurde der Außenspiegel abgetreten, zusammen mit der Drohung, dass es »beim nächsten mal mehr als nur der Außenspiegel« sein würde.

Offensichtlich setzen die Tostedter Neonazis ihre gewaltätigen Übergriffe nun fort. Die beiden Neonazis Fabian Rath und Mattes Wehber lauerten einem bekannten Antifaschisten auf dem Weg zu seiner Arbeit auf, griffen ihn an und probierten ihm einen glühenden Zigarettenstummel ins Gesicht zu drücken. Der gleiche Antifaschist war bereits öfters das Ziel von Einschüchterungsversuchen, regelmäßig wird er von Neonazis bedrängt und bedroht. Bei einem Versuch ihn abzufangen, traf ein Neonazi auf eine Gruppe Antifaschist_Innen die ihn erfolgreich in die Flucht schlagen konnten. Anstatt sich Unterstützung bei einem Gleichgesinnten zu suchen, rief er seine Mutter, welche ihn aus der missgünstigen Lage befreien sollte. Die Beiden verständigten die Polizei und zeigten die solidarischen Antifas an. Wie durch ein Wunder ist dem Antifaschisten bisher nicht mehr passiert als blaue Flecken und Schürfwunden.
Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich ein paar Wochen später. Mattes Wehber traf in der Tostedter Innenstadt auf eine Gruppe Antifas, er wurde lediglich angepöbelt. Daraus machte er einen Angriff und einen »Hausbesuch«, er schickte seinen Vater (überzeugter Nationalist) vor, um einen benachbarten Antifaschisten einzuschüchtern. Der Vater, sowie wenig später Mattes wurden konsequent vom Hof argumentiert. Auf einem Dorffest in der Nähe von Tostedt fingen Nachwuchs Nazis (aus dem Umfeld des »Nationalen Widerstand Tostedt«) an, eine Gruppe Antifaschist_Innen zu beschimpfen und sie kurze Zeit später mit Flaschen und Steinen zu bewerfen. Nur durch konsequenten Widerstand gelang es den Genoss_Innen die Nazis vom Fest zu jagen. Wenige Tage später wurden zwei vermummte Neonazis bei einem Angriff auf eine linke Wohngemeinschaft überrascht und in die Flucht geschlagen.

Im nahe gelegenen Buchholz wurde ein Kandidat für die Kommunalwahl der Partei »Die Linke« von dem Tostedter Neonazi Fabian Rath angegriffen. Dabei schlug dieser dem jungen Linken mehrfach ins Gesicht und versuchte mit einem Springmesser auf ihn ein zu stechen. Einen Tag später wurden zwei weitere linke Jugendliche in Buchholz von Tostedter Neonazis angegriffen und ebenfalls mehrfach ins Gesicht geschlagen. Sie kamen glücklicherweise mit Platzwunden und blauen Flecken davon.
Die Beiden stellten Anzeige bei der Polizei. Woraufhin es zu einer Durchsuchung des Elternhauses von Fabian Rath kam. In seinem Zimmer wurden verschiedene Waffen gefunden, u.a. ein Kampfmesser von der Bundeswehr und Gaspistolen. Bei einer anderen Kontrolle durchsuchten Polizeibeamte das Auto von Rath, dabei stießen sie auf ein Springmesser und eine Axt. Rath ist bereits zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden. Nach der neuen Anzeige und erdrückenden Beweisen, sieht es im Moment nach einer mehrjährigen Haftstrafe für den 19-jährigen aus. Anstatt sich zurückzuhalten, macht Rath munter weiter. In der Diskothek Padam in Riepe bedrohte er zusammen mit einem anderen Nazi drei junge Antifas mit einem Messer und den Worten: «Ich geh eh in Knast, da kann ich euch auch abstechen.«
Auf einem Abschlussball wurde ein Antifaschist von Nazis bedroht, eingeschüchtert und gejagt. Dabei versuchten Neonazis, allen voran Christoph Rehm, dem Schüler seine Buttons zu entwenden. Nur durch entschlossenes Handeln konnte schlimmeres verhindert werden.

Auch vor potenziell tödlichen Anschlägen machen die Nazis im Landkreis Harburg keinen Halt. In der Nacht zum 21. August 2011 wurden die Radmuttern an einem Fahrzeug einer aktiven Antifaschistin gelöst. Diese ist ebenfalls eine Kandidatin der Partei „Die Linke“. Glücklicherwiese entdeckte sie die Manipulation am Fahrzeug, als sie während der Fahrt ein Klappern hörte.

Zum Todestag von Rudolf Hess planten die „Jungen Nationaldemokraten“ (JN) um Kevin Arbeit aus Wiegersen und der »NW Tostedt« eine Spontandemonstration in Buxtehude. Die geplante Aktion wurde von ca. 30 Antifaschist_Innen erfolgreich verhindert. Geplant war ein “Fackelmarsch” durch in Innenstadt Buxtehudes, am Abend des 17. August 2011. Allein die Anwesenheit der Antifas jagte den Organisatoren um Kevin Arbeit solch einen Schrecken ein, dass sie auf ihren Fahrrädern gleich wieder die Heimreise antraten. Mehrere Autos von Tostedter Nazis – u.a. Bastian Dähnert – fuhren durch die Stadt, aber auch sie waren sichtlich mit der Situation überfordert. Für die Neonazis war es ein herber Rückschlag, dass eine konspirativ organisierte Aktion von aktiven Antifaschist_innen verhindert werden konnte.

»Streetwear Tostedt«

Nach Auseinandersetzungen zu Pfingsten 2010 zwischen Tostedter Neonazis und Teilnehmer_Innen einer antifaschistischen Spontandemonstration, wurden mehrere Tostedter Neonazis wegen »Landfriedensbruch« verurteilt. U.a. Bastian Dähnert, Sebastian Stöber, Fabian Rath und Stefan Silar. Bei den Auseinandersetzungen an Pfingsten 2010 ging Stefan Silar mit einem gezückten Messer auf einen Antifaschisten los. Silar ist aktueller Betreiber des Neonaziladen »Streetwear Tostedt«, er ist bereits mehrfach vorbestraft, u.a. wegen Körperverletztung. 1992 wurde er wegen Totschlags zu einer 6-jährigen Haftstrafe verurteilt. Vor dem Amtsgericht Tostedt wurde er wegen »gefährlichen Landfriedensbruch« zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten ohne Bewährung verurteilt. Im Berufungsprozess von dem Gericht in Stade verringerte der Richter nach einer Absprache mit Silar und dessen Anwalt, das Strafmaß auf 12 Monate Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf 5 Jahre zur Bewährung. Eine Bewährungsauflage beinhaltet die Schließung des Streetwear Tostedt, die von Silar selbst vorgeschlagen wurde. Eine Beamtin des Staatsschutzes sagte zugunsten Silars aus, so dass er eine positive Sozialprognose bekam. Und das obwohl Silar noch vor ein paar Wochen auf ein Auto mit vermeintlich linken Insassen gestürmt ist um sie körperlich anzugreifen. Dieser Vorfall ist den Repressionsbehörden bekannt, da der Vorfall sich abspielte während Bullen daneben standen. Zur gleichen Zeit fand eine Kundgebung der Kampange »Landfriedensbruch« unter dem Motto »Skaten gegen Nazis« am Bahnhof statt.
Mittlerweile ist Silar vor die nächste gerichtliche Instanz in Celle gezogen und hat wieder Berufung eingelegt. Damit will er erreichen, dass er seinen Laden auch weiterhin betreiben kann. Seine Einlassungen vor dem Landgericht Stade waren offensichtlich taktischer Natur, um den Richter und Staatsanwalt zu täuschen.
Dieses Beispiel zeigt einmal mehr wie unfähig die staatlichen Repressionsbehörden bei dem Umgang mit der Naziszene sind. Es ist klar, dass diese Thematik nicht vom Staat weg gesperrt werden kann, vielmehr handelt es sich um ein gesellschaftliches Problem.

Tostedt rocken!

Das beste Mittel gegen Neonaziaktivitäten ist immer noch der antifaschistische Selbstschutz. Aus diesem Grund findet am 10. September eine antifaschistische Kundgebung mit LKW-Konzert in Tostedt statt. Bands und die Kampagne Landfriedensbruch wollen den Aufbau einer antifaschistischen Jugendkultur in Tostedt unterstützen und Räume für antifaschistische Strukturen schaffen.

Soli-Party „Take it or break it“

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16.7. Skaten gegen Nazis

Eigentlich war für den 16. Juli 2011 eine Kundgebung mit Skate-Contest auf der Skaterbahn geplant. Diese Veranstaltung wurde vor einiger Zeit beim Landkreis Harburg angezeigt. Kurze Zeit spät erklärte die Samtgemeinde Tostedt, dass sie die Skaterbahn nur für rein „sportliche Veranstaltungen“ zur Verfügung stellen würde und nicht für eine „politische Veranstaltung“. Auch weiterhin werden in Tostedt antifaschistische Aktionen behindert, anstatt wirkungsvolle Aktivitäten gegen die rechte Umtriebe und Strukturen vor Ort zu unterstützen. In einem solchen Klima konnte sich die neofaschistische Szene in Tostedt in den letzten Jahren verfestigen und ausdehnen. Die Kampagne Landfriedensbruch wird dennoch den Tag zu nutzen wissen und mit der Kundgebung erneut ein Zeichen setzen. Damit die Nazis in Tostedt keine Möglichkeiten finden ungestört ihren Terror fortzuführen.

Rechte Gewalt, neonazistische Gruppierungen und Parteien und Naziaufmärsche gehören mittlerweile wieder zum Alltag in Deutschland. Kaum ein Wochenende vergeht, an dem nicht irgendwo Neonazis aufmarschieren um ihre rassistischen, antisemitischen und völkischen Botschaften zu propagieren.
Gerade Tostedt hat sich in den letzten Jahren zu einem Zentrum neofaschistischer Aktivitäten entwickelt. Immer wieder kommt es hier zu Übergriffen von Neonazis auf nicht-rechte und antifaschistische Jugendliche. Das Treiben der örtlichen Neonazis wird von Seiten der Behörden und der Polizei zumeist verharmlost oder verschwiegen. Anstelle einer offensiven Auseinandersetzung mit dem Problem, ist mensch in Tostedt in erster Linie um den Ruf des Ortes bemüht.

Nazis versuchen – auch in der Nordheide – den öffentlichen Raum für sich in Beschlag zu nehmen. Sie okkupieren bewusst Dorffeste, Skaterbahnen oder Dorfplätze. In Tostedt ist der Naziladen „Streetwear Tostedt“ ein fester Anlaufpunkt für die rechte Szene geworden.

Dagegen gilt es offensiv vorzugehen. Den Nazis darf es nicht gelingen Zonen der Angst zu schaffen, die Linke oder Migrant_innen nicht mehr ungefährdet betreten können. Hier gilt es für Antifaschist_innen besonders präsent zu sein und der Dominanz der Nazis – gerade im ländlichen Raum – etwas entgegenzusetzen. Das kann bedeuten dem organisierten Neofaschismus „ihre“ Treffpunkte streitig zu machen aber auch gezielt durch antifaschistische Demonstrationen Flagge zu zeigen. Es darf kein ruhiges Hinterland für Neonazis geben – nirgendwo.

Ein wichtiger Bestandteil antifaschistischen Engagements ist es zu verhindern, dass es Neonazis oder der NPD überhaupt gelingt junge Menschen an sich zu binden. Eine linke, emanzipatorische Jugendkultur ist die beste Prävention gegen neofaschistische Einstellungen und Handlungen. Sie ist auch eine notwendige Voraussetzung zur Verschiebung des regionalen Kräfteverhältnisses. Da wo sie in Ansätzen vorhanden ist, gilt es sie zu unterstützen und zu fördern. Antifaschistische Aktionen, wie am 6. und 19. März 2011 in Tostedt, waren für einige Jugendliche aus Tostedt und Umgebung eine Initialzündung für weitergehendes politisches Engagement.

Die Selbstsicherheit von Gruppen wie der Nazi-Kameradschaft „Gladiator Germania“ oder dem sog. „Nationalen Widerstand Tostedt“ fusst auf der Erfahrung von Sanktionsfähigkeit durch Gewalt und politischer Provokation, welche sie in der Region um Tostedt ausüben können. Dieser Raum lässt sich nur durch entschiedenes Auftreten und deutlicher Artikulation einer gegenteiligen Position begrenzen. Eine rechte Jugendkultur wie in Tostedt, die es nicht gewohnt ist mit ernsthaftem Widerstand konfrontiert zu sein, ist nur durch Erhöhung des politischen Drucks zu bekämpfen. Dazu waren die Aktionen der antifaschistischen Kampagne Landfriedensbruch erste Schritte, die durchaus dafür gesorgt haben, dass die örtlichen Neonazis in ihrem Handeln eingeschränkt wurden und die Anzahl der Übergriffe zurückgegangen ist.

Mit einer erneuten Kundgebung will die Kampagne Landfriedensbruch am 16. Juli 2011 wieder in Tostedt aktiv werden.
Unter dem Motto „Skaten gegen Nazis – Für eine antifaschistische Jugendkultur“ findet die Kundgebung auf dem Parkplatz hinter dem Bahnhof (Zinnhütte) statt. Beginn ist um 12 Uhr.

>> Mobivideo

Die Antifa sagt Guten Tag

Einen sonnigen Tag suchten sich Antifaschistinnen und Antifaschisten aus, um im niedersächsischen Tostedt einen antifaschistischen Infostand durchzuführen.
Tostedt galt lange Zeit als Hochburg des organisierten Neofaschismus in Norddeutschland und eine aktive Naziszene sorgt für Terror gegen junge Antifas und Migrant_innen.
In den letzten Monaten fanden verschiedene Antifa-Aktionen dort statt, um den Nazis entgegenzutreten und die Tostedter Verhältnisse anzuprangern.
Heute nun eine weitere Aktion der Kampagne Landfriedensbruch.
Nach verschiedenen antifaschistischen Aktionen, wie die Demo am 18. März, sollte heute eine nächste Aktion folgen. Nach den größeren Aktionen, sollten jetzt mit einer kleineren Aktion die Menschen in Tostedt angesprochen werden.
Neben dem Infostand auf dem zentralen Platz im Ortskern, wurden auch in der näheren Umgebung viele Flugblätter verteilt. Am Infostand, der von der Antifaschistischen Aktion Lüneburg / Uelzen angemeldet worden war, standen Aktivist_innen der Kampagne Landfriedensbruch Rede und Antwort und erläuterten die Ziel der Kampagne.
Besuch erhielten die Antifas u.a. von der niedersächsischen Landtagsabgeordnten Christel Wegner. Für viele Tostedter Bürger_innen war es auch mal eine gute Gelegenheit Antifas direkt zu begegnen, ohne die angespannte Atmosphäre wie bei einer Demo zu haben.

Im Vorfeld wurde darüber spekuliert, wie sich die örtlichen Nazis verhalten würden. Während der Aktion stellte mensch schnell fest, dass sie sich gar nicht verhalten. Außer das zwei Nazis mit dem Auto einmal vorbei fuhren und aus einem Einkaufs-Center einen Blick auf den Infostand warfen, war von den Nazis nichts zu bemerken.
Größeres Interesse zeigten zwei Personen, die dem Rockerclub „MC Gremium“ zuzuordnen waren. Die beiden fuhren in ihrem italienischen Sportwagen am Infostand vorbei und versuchten diesen zu filmen. Der Tostedter Neonazi Sebastian Stöber, der viele Jahre führender Nazi-Aktivist vor Ort war, gehört heute dem Prospect Chapter von Gremium in Stade an.

Was in anderen Ort zumeist völlig unproblematisch abläuft, eine Sondernutzungserlaubnis für einen Infostand zu erhalten, ist in Tostedt mit div. Merkwürdigkeiten verbunden. Nachdem diese Sondernutzungserlaubnis beantragt wurde, erhielt die verantwortliche Person einen Brief der Gemeinde Tostedt. Die wollte u.a. wissen, welche Höhe und Tiefe der beantragte Tapeziertisch den haben würde, ob eine Aufstellung von Transparenten und Plakaten vorgesehen sei, wieviele Personen den Stand betreuen und die Informationsgespräche führen würden und ob mit einer größeren Zahl von Besuchern aus dem Raum Lüneburg/Uelzen zu rechnen sei. Diese Neugierde gipfelte in der Frage, welche Informationsmaterialen ausgelegt werden sollten. Darüber verlangte die Gemeindeverwaltung dann auch noch eine Titelliste.
Außerdem wurde die Ausgabe und das Anbringen von Aufklebern in der Gemeinde Tostedt untersagt. Wären solche Aukleber verbreitet worden, sollte die verantworliche Person dafür verantwortlich gemacht werden und für eine erforderliche Reinigung die Kosten übernehmen.
Die Schriftstücke der Gemeinde Tostedt sorgten am Infostand für große Erheiterung.

Ziel der heutigen antifaschistischen Aktion in Tostedt war es nicht nur Flugblätter zu verteilen, sondern auch direkt in die örtlichen Verhältnisse zu intervenieren und temporär einen Freiraum von Nazis zu besetzen.

Bericht zur Demo am 19.3.11

Bei Sonnenschein kamen am gestrigen Samstag rund 800 Menschen in Tostedt zusammen, um gemeinsam auf die Straße zu gehen. Das Örtchen Tostedt ist seit Jahren Schwerpunktgebiet des organisierten Neofaschismus in Niedersachsen und in den vergangenen zwei Jahren kam es zu diversen Übergriffen durch Nazis.
Die antifaschistische Demonstration stand unter dem Motto: „Kein Vergeben, kein Vergessen! Den Nazis offensiv entgegentreten!“. Die Teilnehmer_innenzahl übertraf die Erwartungen der Organisator_innen der Demo und insgesamt kann mensch zufrieden mit dem Tag in Tostedt sein. Selbst anfängliche Rangeleien mit und Übergriffe durch die Polizei können den Erfolg nicht schmälern.
Mit der Demo konnte ein erster Schritt beim Aufbau antifaschistischer Strukturen in Tostedt getan und die Verhältnisse im Ort etwas zum tanzen gebracht werden.

>> zum vollständigen Artikel

Braune Schatten…

Informationsveranstaltung über Neonazis in Tostedt und extrem rechte Aktivitäten und Strukturen in der Nordheide. Mit dem Journalisten und Autoren Andreas Speit (Hamburg).

Diese Veranstaltung war zunächst für den 23. Februar geplant. Nachdem der Vermieter des Veranstaltungsraumes unter Druck gesetzt wurde, mussten die Veranstalterinnen die Veranstaltung aus Sicherheitsgründen absagen.

Die Veranstaltung wird jetzt unter freiem Himmel durchgeführt.

Sonntag, 6. März 2011
14 Uhr
Am Sande,2
Tostedt

>> Ankündigung (PDF)
>> weitere Informationen (PDF)
>> Pressemitteilung der Landtagsfraktion Die Linke (PDF)

>> Veranstaltungsrückblick auf antifainfo.de
>> Bilder zur Veranstaltung
>> Artikel im Wochenblatt

Tostedt hat kein Problem mit Nazis. Wir schon!

In dem Internetauftritt der Samtgemeinde Tostedt heißt es: „Tostedt bietet Lebensqualität“, weil es ein „attraktiver Wohn- und Geschäftsort“ sei. Diese Selbstdarstellung ist ein verbaler Schlag ins Gesicht für die zahlreichen Betroffenen rechter Gewalt in Tostedt und Umgebung.

Laut der Statistik „rechtsextreme Straftaten“ in Niedersachsen rangiert das kleine Örtchen an erster Stelle. Und das ist nur die offizielle Zahl – viele der faschistischen Übergriffe werden, im Wissen über die Untätigkeit der Polizei, gar nicht mehr zur Anzeige gebracht. Die Nazis treten in der Öffentlichkeit selbstbewusst in T-Shirts mit Aufdrucken, wie „Gladiator Germania“ oder „Nationaler Widerstand Tostedt“ auf, sind im Sport- oder Schützenverein aktiv und in der regionalen Wirtschaftslandschaft verankert. Wichtigster Anlaufpunkt für die örtliche Naziszene ist der Laden „Streetwear Tostedt“.

Diese Präsenz der Nazis bekommen besonders Jugendliche zu spüren, die sich nicht im Umfeld der Nazis bewegen und darüber hinaus das
Naziproblem auf die öffentliche Tagesordnung setzen. Sie erleben Bedrohungen und körperliche Angriffe als Begleiterscheinungen des Alltags: in der Schule, auf der Straße oder als sog. „Hausbesuche“. Am Wochenende gilt Tostedt als No-Go-Area für nicht-rechte Jugendliche.

Der bisherige Höhepunkt in der langen Liste rechter Gewalt lässt sich datieren: In der Nacht des 23. Mai 2010 versuchte ein Dutzend Nazis die Wohnung eines nicht-rechten Jugendlichen zu stürmen. Mehrere Menschen wurden dabei schwer verletzt. Als Waffen setzten die Nazis Knüppel und Schaufeln ein, wobei Schwerverletzte bzw. Tote in Kauf genommen wurden. Statt eines öffentlichen Aufschreis und Einschreitens der Zivilgesellschaft und Bürger Tostedts wird auf ganzer Linie geschwiegen und verharmlost: Von der Polizei werden die Vorfälle als Rivalitäten unter Jugendlichen heruntergespielt. Ein politischer Hintergrund wird geleugnet. Die regionale Presse übernimmt diese Darstellungen ohne sie zu hinterfragen. „Schuldige“ werden dennoch benannt: ausgerechnet jene Jugendlichen, die sich gegen rechte Strukturen wehren und diese skandalisieren. Diese werden als „Störer und Nestbeschmutzer“ an den Pranger gestellt. Selbst das „Bündnis für Zivilcourage“ folgt dieser kruden Logik und verweigert sich einer öffentlichen Solidarisierung mit den Betroffenen. Im Gegenteil: Das Bündnis reproduziert sogar einen Extremismusbegriff, der Neofaschismus und Antifaschismus als zwei Seiten einer Medaille erklärt. Betroffene rechter Gewalt werden so von vorne herein kriminalisiert.

Das Naziproblem in Tostedt ist weder neu noch vom Himmel gefallen, sondern ganz klar hausgemacht. Bis Mitte der 90er Jahre gab es eine breite alternative antifaschistische Jugendkultur, welche im Zuge der Auseinandersetzungen mit der bundesweit erstarkenden Naziszene von staatlicher Seite zurückgedrängt wurde: nichtrechte Jugendangebote im Jugendzentrum wurden unterbunden, der Jugendrat aufgelöst und antifaschistische Initiativen kriminalisiert. Stattdessen wurde ein Streetworkprojekt ins Leben gerufen, dass den Nazis Räume und finanzielle Mittel zur Verfügung stellte. Mit diesem fehlgeschlagenen Ansatz der „akzeptierenden Jugendarbeit“ wurde maßgeblich dazu beigetragen, dass sich die Nazistrukturen in und um Tostedt langfristig etablieren konnten.

Heute gibt es eine vielfältige Naziszene, welche für die jüngsten Angriffe und Bedrohungen verantwortlich ist. Dabei zeigt die breitgefächerte Altersstruktur der Neonaziszene, dass es an jugendlichem Nachwuchs nicht mangelt.

Die Kampagne „Landfriedensbruch“ will in dieses Klima des Verharmlosens und Wegschauens eingreifen.

Wir fordern:
- Schließung des Ladens „Streetwear Tostedt“ – Nazistrukturen auflösen!
- Solidarität mit den Betroffenen rechter Gewalt!
- Freiräume für nicht-rechte Jugendliche und Antifaschistische
Jugendkultur stärken!

Tostedt hat kein Problem mit Nazis. Wir schon.