Skaten gegen Nazis

Kundgebung für eine antifaschistische Jugendkultur









Am vergangenen Samstag (16.07.11) fanden im niedersächsischen Tostedt zwei antifaschistische Aktionen statt. Unter dem Motto „Skaten gegen Nazis – Für eine antifaschistische Jugendkultur“ kamen rund 120 Menschen zusammen. War zunächnst nur eine Kundgebung geplant, fanden dann zwei Veranstaltungen statt, um den Nazis in Tostedt mal wieder die Rote Karte zu zeigen. Neben der Kundgebung am Bahnhof wurde auch die örtliche Skateanlage genutzt, was von der Samtgemeinde Tostedt vorher untersagt wurde.
Insgesamt ein schöner Tag in Tostedt, ohne irgendwelchen Ärger mit Nazis.
„Skaten gegen Nazis“ wollte die Kampagne Landfriedensbruch mit örtlichen Jugendlichen, um den Ort wenigstens temporär zu besetzen und einen Nachmittag ohne Nazis in Tostedt zu verbringen. Auf der örtlichen Skateanlage tummeln sich in den Sommermonaten auch immer mal wieder Nazis und versuchen dort junge Leute anzusprechen. Für alternative und nicht-rechte Skater_innen ist die Anlage sonst nicht zu nutzen. Dies galt es zu ändern und mal wieder die Nazis in ihrem Handeln einzuschränken.

Nachdem die Kampagne Landfriedensbruch im Herbst 2010 gestartet ist, hat sich das Klima in Tostedt etwas geändert. Die Nazis treten nicht mehr so stark in Erscheinung und mehrmals wurde ihnen deutlich gemacht, dass es mit der Ruhe im Dorf vorbei ist. Die Kampagne Landfriedensbruch will auch weiterhin kontinuierlich in Tostedt aktiv werden und eine antifaschistische Jugendkultur stärken.

Die Kundgebung am Samstag sollte eigentlich auf der Skateanlage stattfinden. Nachdem diese bei der zuständigen Versammlungsbehörde angezeigt wurde, teilt die Samtgemeinde Tostedt den Veranstalter_innen mit, dass die Skateanlage sich im „Eigentum“ der Samtgemeinde befände und nur „im Rahmen der Jugendpflege sportbegeisterten Jugendlichen zur Verfügung gestellt wird“. Auch könnte eine Genehmigung nur in Aussicht gestellt werden, wenn es sich um eine „reine Sportveranstaltung handelt und diese mit keiner politischen Veranstaltung in Verbindung steht.“ So eine Veranstaltung ist angesichts der Naziproblematik in Tostedt allerdings nicht möglich. „Skaten gegen Nazis“ ist natürlich eine Aktion von sportbegeisterten Menschen, aber diiese verbinden damit auch einen politischen Ausdruck. Die Kundgebung wurde dann auf den nahegelegen Parkplatz am Bahnhof verlegt, um sich nicht aus Tostedt verdrängen zu lassen und um deutlich zu machen, dass antifaschistische Aktionen trotz aller Einschränkungen stattfinden werden.

Der Tag begann dann mit einigen Verzögerungen, da die Lokomotivführer_innen in der Nacht wieder in den Streik getreten sind und die meisten Zugverbingungen nach Tostedt ausfielen. Bis 13 Uhr kamen dennoch rund 120 Menschen in Tostedt zusammen. Einige Gruppen mussten sich allerdings abmelden, da sie keinerlei Zugverbindungen hatten. Telefonisch richteten sie aber solidarische Grüße aus.

Die antifaschistische Kundgebung begann nach einer Begrüßung und der Erklärung, dass mensch trotz der Schwierigkeiten bei der Anreise nach Tostedt, solidarisch mit dem Streik der Lokomotivführer_innen ist und die Forderungen der GDL unterstützt.

Schon zu Beginn der Kundgebung am Bahnhof trafen sich ca. 30 Menschen auf der Skateanlage und ließen sich nicht durch die Einschränkung der eigentlich geplanten Veranstaltung abhalten. So wurde dann ein Grill aufgebaut und die Anlage ganz „sportbegeistert“ und „politisch“ genutzt.

Nachdem auf der Kundgebung am Bahnhof die Hintergründe der Einschränkung der Veranstaltung erläutert wurden, entschlossen sich einige empörte Menschen spontan eine Kundgebung auf der Skateanlage anzumelden. Dies wurde dann bei der anwesenden Polizei getan und nach einigem hin und her, musste diese Veranstaltung dann auch zugelassen werden. So kam es, dass dann zwei Kundgebungen in Tostedt stattfanden.

Auf der Skateanlage herrschte dann eine ausgelassene Stimmung, wo Menschen mit ihren Skateboards und Bikes die Anlage „sportlich“ sowie „politisch“ nutzten.
Zu dieser Kundgebung kamen dann auch mehrere Jugendliche aus Tostedt und Umgebung hinzu, die sich sichtlich darüber freuten, dass diese Veranstaltung stattfand und sie ohne Nazis die Anlage nutzen konnten. Zusammen mit anderen Skater_innen und Antifas wurden dann größere und kleinere Kunststücke vorgeführt und auch die Jüngsten zeigten ihr Können.

Gegen 15.30 Uhr wurden die beiden Kundgebungen beendet, damit alle mit den spärlich fahrenden Zügen wieder abreisen konnten.
Nach Beendigung der Kundgebung am Bahnhof, wurden durch die Polizei noch die Personalien von drei Antifas aufgenommen. Die Antifas sollten angeblich Personen beleidigt haben, die versuchten die Kundgebung zu provozieren. Ansonsten hielt sich die Polizei, die mit einem größeren Aufgebot vor Ort war, zurück.

Von den Nazis sah mensch an diesem Tag nichts. Einige drückten sich vor dem Naziladen „Streetwear Tostedt“ und auf dem Schützenfest rum. Hatten sie vorher noch ein „Skate-Battle um die Vorherrschaft in Tostedt“ angekündigt, war dann letztendlich außer großen Worten nichts davon zu merken. Auf einer Internetseite hatten sich die Tostedter Nazis vorher mit Plakaten zur Antifa-Kundgebung gezeigt. Diese hatten sie vorher in Tostedt abgerissen. In einem humoristischen Artikel versuchten sie den Eindruck zu vermitteln, dass sie mit einem Plakat durch halb Europa gefahren seien und ihre Kameraden informiert hätten. Allerdings haben sie sich nur vor zwei Straßenschildern abgelichtet, als sie auf dem Weg ins französische Rohrbach (Lothringen) waren. Dort hatten sie ein großes Nazikonzert der sog. „Hammerskins“ besucht.

Für die Kampagne Landfriedensbruch war der Tag erfolgreich, da zum einen nicht nur organisierte Antifas kamen, sonderen auch viele Jugendliche aus Tostedt. Auch Vertreter_innen des örtlichen Forums für Zivilcourage beteiligten sich an der Veranstaltung. Zum anderen konnten fortschrittliche Positionen genau dort vermittelt werden, wo sich Nazis festgesetzt haben und auf eine weit verbreitete Gleichgültigkeit spekulieren können.

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