Die Antifa sagt Guten Tag

Einen sonnigen Tag suchten sich Antifaschistinnen und Antifaschisten aus, um im niedersächsischen Tostedt einen antifaschistischen Infostand durchzuführen.
Tostedt galt lange Zeit als Hochburg des organisierten Neofaschismus in Norddeutschland und eine aktive Naziszene sorgt für Terror gegen junge Antifas und Migrant_innen.
In den letzten Monaten fanden verschiedene Antifa-Aktionen dort statt, um den Nazis entgegenzutreten und die Tostedter Verhältnisse anzuprangern.
Heute nun eine weitere Aktion der Kampagne Landfriedensbruch.
Nach verschiedenen antifaschistischen Aktionen, wie die Demo am 18. März, sollte heute eine nächste Aktion folgen. Nach den größeren Aktionen, sollten jetzt mit einer kleineren Aktion die Menschen in Tostedt angesprochen werden.
Neben dem Infostand auf dem zentralen Platz im Ortskern, wurden auch in der näheren Umgebung viele Flugblätter verteilt. Am Infostand, der von der Antifaschistischen Aktion Lüneburg / Uelzen angemeldet worden war, standen Aktivist_innen der Kampagne Landfriedensbruch Rede und Antwort und erläuterten die Ziel der Kampagne.
Besuch erhielten die Antifas u.a. von der niedersächsischen Landtagsabgeordnten Christel Wegner. Für viele Tostedter Bürger_innen war es auch mal eine gute Gelegenheit Antifas direkt zu begegnen, ohne die angespannte Atmosphäre wie bei einer Demo zu haben.

Im Vorfeld wurde darüber spekuliert, wie sich die örtlichen Nazis verhalten würden. Während der Aktion stellte mensch schnell fest, dass sie sich gar nicht verhalten. Außer das zwei Nazis mit dem Auto einmal vorbei fuhren und aus einem Einkaufs-Center einen Blick auf den Infostand warfen, war von den Nazis nichts zu bemerken.
Größeres Interesse zeigten zwei Personen, die dem Rockerclub „MC Gremium“ zuzuordnen waren. Die beiden fuhren in ihrem italienischen Sportwagen am Infostand vorbei und versuchten diesen zu filmen. Der Tostedter Neonazi Sebastian Stöber, der viele Jahre führender Nazi-Aktivist vor Ort war, gehört heute dem Prospect Chapter von Gremium in Stade an.

Was in anderen Ort zumeist völlig unproblematisch abläuft, eine Sondernutzungserlaubnis für einen Infostand zu erhalten, ist in Tostedt mit div. Merkwürdigkeiten verbunden. Nachdem diese Sondernutzungserlaubnis beantragt wurde, erhielt die verantwortliche Person einen Brief der Gemeinde Tostedt. Die wollte u.a. wissen, welche Höhe und Tiefe der beantragte Tapeziertisch den haben würde, ob eine Aufstellung von Transparenten und Plakaten vorgesehen sei, wieviele Personen den Stand betreuen und die Informationsgespräche führen würden und ob mit einer größeren Zahl von Besuchern aus dem Raum Lüneburg/Uelzen zu rechnen sei. Diese Neugierde gipfelte in der Frage, welche Informationsmaterialen ausgelegt werden sollten. Darüber verlangte die Gemeindeverwaltung dann auch noch eine Titelliste.
Außerdem wurde die Ausgabe und das Anbringen von Aufklebern in der Gemeinde Tostedt untersagt. Wären solche Aukleber verbreitet worden, sollte die verantworliche Person dafür verantwortlich gemacht werden und für eine erforderliche Reinigung die Kosten übernehmen.
Die Schriftstücke der Gemeinde Tostedt sorgten am Infostand für große Erheiterung.

Ziel der heutigen antifaschistischen Aktion in Tostedt war es nicht nur Flugblätter zu verteilen, sondern auch direkt in die örtlichen Verhältnisse zu intervenieren und temporär einen Freiraum von Nazis zu besetzen.

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